Technik und Studio (3)

(1995 - 1998)

Inzwischen liefen Überlegungen, wie denn das nächste Album aufgenommen werden könnte. Einerseits war der Studioaufenthalt für die „Every Tear Dries“ nicht gerade billig gewesen, andererseits hatten THE ESCAPE auch eine Menge Urlaub dafür opfern müssen. Es kam also die Idee auf, mit einem eigenen Studio unabhängig von Urlaub oder ganztägiger Arbeit das Album Schritt für Schritt, gewissermaßen nach Feierabend, selbst zu produzieren. Man einigte sich mit dem Label auf einen Vorschuß, der dann aus eigenen Mitteln aufgestockt wurde. Hiervon wurden ein PC-gestütztes 8-Spur-System und ein Mischpult, sowie die noch benötigte essentielle Peripherie gekauft. Das Harddisk-Recording System war ein Digidesign Session 8 mit 882 Interface, das auf einem (damals gar nicht so langsamen) Pentium 90 PC lief. Das Ganze war über Midi-Clock mit dem Atari STE verbunden, wobei der Atari als reiner Sequencer als Slave lief. Die Analogsignale der Keyboards wie die Analogoutputs des Session 8 liefen in das neue Mischpult (Behringer MX 8000), wo neben den beiden Quadraverbs inzwischen noch ein Zoom 1204 und ein Behringer Composer seinen Dienst tat. So entstand sachte und gründlich in über 10 Monaten Arbeit das Album „Amaryllis“ und die E.P. „Anthem“. Den nun zum Mini-Studio herangereiften Proberaum nannte man „Annuvin-Studio“.

 

Soundgebend für das Album waren insbesondere der K4 (z.B. Themasound bei „Over The Mountains“, der Alpha-Juno (Flächensound bei „The Eyes Of The Amaryllis“ und diverse Bass-Sounds) und die Korg 01R/W (viele Strings, Flächen oder Chöre). Die Pianoversionen auf der „Anthem“ spielte Ingo auf einem Wersi Grand Piano ein, welches man sich für diese Aufnahmen ausgeliehen hatte.

Das "Annuvin Studio" 1996 bei den Aufnahmen zur "Amaryllis". Auf dem Keyboardständer: Alpha Juno 2, Kawai K4 und Döpfer LMK 3. Hauptmixer ist das Behringer MX8000, links neben den Keyboards steht der Atari-Monitor, der PC im rechten Winkel links davon.

Die Drums kamen ausnahmslos vom RM50, Vocalverfremdungen besorgte das Zoom1204. Die Gitarrensounds entstammen fast alle dem Zoom 4040, nur einige sind vom Roland GP16. Gespielt wurde die Fenix-Strat (z.B. bei „Time Of Tension“ oder „Lost In Heaven“), die Vester 12-String (bei „Danced“) und Ingos neue Epiphone Les Paul (bei „Destination“ oder „Devotion“).

Das Album und die E.P. wurden in einem professionellen Masteringstudio (Time Sound Studio, Geldern) gemastert.

Bei der Tour mit S.P.O.C.K. und Statemachine hatten THE ESCAPE wieder das inzwischen bewährte DAT als Semiplaybackmaschine, Heiko spielte nach wie vor seinen D10, die inzwischen auf die 3 Dynacord-Pads abgespeckten Drums triggerten direkt den Yamaha RM50 an. Ingo war immer noch der Meinung, dass er mit weniger als drei Tastaturen  völlig unterfordert sei, und verschanzte sich beim Keyboardspiel hinter LMK 3, Kawai K4 und der neuesten Errungenschaft, einem Yamaha CS1x (der Alpha-Juno hatte hier weichen müssen...). Im Rack befanden sich außerdem noch neben dem RM50 die Korg 01R/W und (ebenfalls neu) ein Alesis S4 Quadrasynth. Für Eltens Gesang wurde ein speziell mit den benötigten Delays programmiertes Quadraverb mitgenommen, welches Mischer Pete am Mainmixer installierte. Die Gitarren liefen über die Line-out Ausgänge ihrer Effektgeräte (Heiko: Roland GP 16, Ingo: Zoom 4040), eine Backline im eigentlichen Sinne gab es nicht.

Die Verkabelung vor jedem Auftritt war eine Wissenschaft für sich, mit jedem Gig ging´s aber flotter und routinierter vonstatten.

Nach der Tour wurde wieder an neuen Songs gebastelt. Der Arpeggiator des CS1x lud zum Experimentieren ein, so entstand auf der Basis eines solchen Arpeggios der Song „Inside“.

Für die gleichnamige E.P. wurden zwei Versionen aufgenommen, zusätzlich eine Pianoversion von „A Normal Day“ (leider nur mit dem Piano-Sound der 01R/W, was sich qualitativ bemerkbar macht...) und neben einer Neufassung von „On The Edge“ eine nicht ganz ernst gemeinte Version von „Never“, in der gnadenlos die gerade hippen TR808 und 909 Sounds des CS1x verwurstet wurden. Aber gut ab ging´s schon....

Auch im Annuvin-Studio hatte sich etwas getan. „Inside“ wurde nicht mehr auf dem Atari programmiert, sondern mit Cubase Audio XT auf dem inzwischen auf 200MHz aufgerüsteten PC. Cubase Audio XT war in der Lage, neben den Sequencerdaten die Audiodaten des Session 8 direkt einzubinden und grafisch darzustellen; heute selbstverständlich, damals eine ungeheure Erleichterung. So wanderte der Atari erst in die Ecke und dann in einen Schrank, wo er noch heute ruht...

1998 wurde auch im Live-Equipment umgerüstet. Ingo tauschte den K4 gegen einen K4R (Rackversion), der nun zuhause blieb und auch der CS1x wurde nicht mehr mitgenommen. Statt dessen zierte jetzt neben dem LMK3 ein Roland JV 90 den (nun doch) auf 2 Ebenen geschrumpften Keyboardständer. Angesichts der Tatsache, dass Ingo live bei inzwischen mehr als der Hälfte der Songs Gitarre spielte, war der Aufwand, jedesmal 3 Keyboards mit Audio- und Midi zu verkabeln (Das LMK3 steuerte sämtliche Programmwechsel und Controllerdaten) einfach nicht mehr gerechtfertigt. Heiko investierte in einen Roland XP 50, der den D10 ergänzte / ersetzte. Mit diesem Setup gingen THE ESCAPE im Frühjahr 98 auf Tour mit den Dreadful Shadows. Wesentliche Änderung war außerdem, dass Heiko seinen Gitarrensound mit einem Hughes&Kettner Tubeman auf einen echten Röhrensound umstellte.

 

 

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