Technik und Studio (6)

(2003 - ?)

Die Arbeiten für das neue Album zogen sich aufgrund verschiedenster Ursachen sehr in die Länge. Insofern kann man den Zustand des Annuvin-Studios, das sich ja in einer Art kontinuiertlichem Umbauprozess befindet, nur schlaglichtartig beleuchten. Was hat sich bis 2004 alles getan? Zunächst wurden beide PC´s aufgerüstet und mit je einem Athlon XP2000 ausgestattet. Genervt von dem kryptischen Routing der DSP-Factory baute Ingo sie in 2002 aus und installierte eine RME-Hammerfall DIGI9652, die neben einer sagenhaft kurzen Latenzzeit auch den Ausbau auf nun 24 zur Verfügung stehende Audiokanäle beinhaltete. Letztere wurden aber im weiteren Verlauf der Studioarbeit letztlich sekundär, da man sich entschloss, in Zukunft den Mix und die Produktion auf die rein digitale Ebene zu legen und auf analoge Effekte und Mixer zu verzichten. Für das neue Album wurden also nun die Keyboards zunächst mit Midi eingespielt und editiert. Passte dann alles zur Zufriedenheit, wurde die Keyboardspur direkt als Stereo-Wavedatei ins Cubase VST aufgenommen und hier als normaler Audiotrack weiterverarbeitet. Die bisherigen Limitierungen eines solchen Vorgehens durch Prozessorgeschwindigkeit und / oder Festplattenkapazität waren mit dem vorhandenen System Geschichte. Der Vorteil lag auf der Hand: mußte bisher beim analogen Abmixen jede Faderänderung zur richtigen Zeit per Hand durchgeführt werden, konnte unter VST nun ein Mix in einem kontinuierlichen Arbeitsprozess entstehen und abgespeichert werden. Dies ermöglicht, auch Tage nach dem Endmix noch einmal den Song aufzurufen, um marginale Dinge zu ändern, die eventuell aufgefallen waren. Der Mix bleibt wie er ist, das Detail ist behoben und alles sonst ist unverändert. Bisher hieß jede Änderung nach ein paar Tagen, den kompletten Mix noch einmal machen zu müssen.

Dieser Umstieg auf die totale Digitalisierung brachte auch einiges an Hardwareänderung mit sich: neben der bereits erwähnten Aufrüstung der PC´s wurden noch ein paar Plug-Ins benutzt. Der virtuelle Drumcomputer "Battery" gehörte ja bereits zur Ausstattung und wurde nun Standard-Drummachine. Hinzu kamen ein Virtuell-analoger Synth (Pro 52) und diverse VST-Effekte. Die Fostex-Wandler mit 20 Bit wurden durch zwei 24 Bit Behringer ADA 8000 ersetzt, zusätzlich wurde der Gesang über einen Ultravoice (VX2496) digital aufgenommen. 

Das Annuvin-Studio kurz nach Fertigstellung der "House Of Mind".

Auch wenn es Ingo schwer fiel: man mußte sich eingestehen, dass das bisherige Hauptmischpult, das Behringer MX8000 für die noch verbliebenen Aufgaben überdimensioniert war. Es wurde praktisch nicht mehr gebraucht und daher verkauft (nach über 8 Jahren treuen Diensten im Studio). Das kleine MX 2442 übernahm die verbliebenen Aufgaben, der von diesem Pult bisher übernommene Keyboardmix (ja nun nicht mehr in Gänze für das Abmischen nötig) wurde zwei Behringer RX 1602 übertragen.

An der Auswahl der Keyboards gab es keine Änderungen. Zum einen traten diese sowieso in der Produktion mehr in den Hintergrund (wenn schon dann kaufen wir uns einen virtuellen Synth), zum anderen war auch Live das Keyboard schon lange nicht mehr Hauptinstrument. Bei den Gitarren hielten zwei neue Klampfen Einzug: eine zwölfsaitige Danelectro ersetzte die Vester und für gutes Rhythmuswerk sollte eine B.C.Rich Kerry-King-V sorgen.

Der Hauptarbeitsplatz und die Gitarren im Annuvin-Studio.

Live brauchte man jetzt nur noch zwei Racks mitzunehmen: im einen befanden sich die neue Playbackmaschine, ein Alesis HD 24, der es möglich machte, nicht nur die Playbacks abzuspielen (hierfür brauchte man inzwischen sieben Spuren), sondern bei Bedarf gleichzeitig auf sechzehn Spuren mitzuschneiden. Mit diesem Gerät wurde (allerdings bei Einsatz des Fostex VR800 als Plaxbackgerät) im Elfenbein das Konzert für die "Ivory" mitgeschnitten. Im Alesis-Rack befinden sich dann noch der Samson-Mixer und das Quadraverb für die Vocals. Dieses Rack steht am Mainmix bei Pete. Das zweite Rack befindet sich auf der Bühne und beinhaltet zwei 4-fach DI-Boxen, die Funkanlagen für Mikro, Playbackübertragung, In-Ear-Monitoring und Gitarre sowie einen Signalprozessor für das Funkmikro und einen 16-Kanal Fostex-Mixer. Hier kann sich Ingo seinen In-Ear-Mix selbst zusammenstellen, da alle Signale der Band bereits in den DI-Boxen gesplittet und damit abgegriffen werden.

Das Rack am Mainmix mit dem Alesis HD24 (oben)

Das Bühnenrack mit den DI-Boxen und den Funkanlagen

 Wie wurde die "Ivory" jetzt aufgenommen? Es wurden die digitalen Spuren des Fostex-Playbacks direkt per Lichtleiter in den Alesis übertragen (ADAT-Format). Die restlichen acht Spuren wurden belegt mit: Main Vocal, Backing Vocal, Gitarre Heiko, Gitarre Ingo, Gitarre Thorsten, Keyboard Tommes, Keyboard Ingo und Saalmikro. Wie im Booklet der "Ivory" bereits beschrieben, wurden keine Overdubs oder Korrekturrecordings an den eigentlich aufgenommenen Signalen durchgeführt. Es wurden zunächst die Spuren digital ins Cubase VST übertragen, um die Bearbeitungsmöglichkeiten zu erweitern. Dann wurde zunächst ein Rohmix des gesamten Konzerts angefertigt, um einen gewissen Überblick über den Grundmix zu bekommen. Die Bearbeitung der Instrumentalspuren betraf in erster Linie die Laustärkeverhältnisse und Lautstärkewechsel, da die Aufnahme Pre-Fade erfolgt war. Es waren also keine Mixereinstellungen und -eingriffe des Live-Mainmixers mit aufgenommen worden. Insofern mußten ständig Lautstärken der Instrumente angepasst werden, um das Gesamtbild des Songs zu verbessern. So wurde nun jeder Song einzeln editiert. Dann wurden die Gesangsspuren genommen und deutlich komprimiert (man hört das hier und da im Mix, wenn sich in kurzen Gesangspausen der Klang der Drummachine verändert, da hier der Monitorsound über das Gesangsmikro mit aufgenommen wurde. Auch das Zischen der Nebelmaschine ist hier und da über das Gesangsmikro zu hören). Das Backingmikro wurde natürlich nur in den benötigten Phasen eingeblendet, ebenso das Saalmikro nur vom Songende bis zum Anfang des nächsten Songs. Auch hier wurden noch Lautstärken angepasst. Schließlich wurden die Vocals in den Gesamtmix integriert, mit Effekten versehen und auch die Gesamtsumme leicht verhallt. Das Ergebnis ist ein sehr authentischer Live-Mitschnitt, der gerade auch durch die nicht korrigierten kleinen Ungenauigkeiten während des Konzerts lebendig und ehrlich wirkt. Und genau das sollte es sein!

Die Aufnahmen für die "House Of Mind":

Die "House Of Mind" wurde, wie oben bereits beschrieben, mit Cubase VST 5.1 aufgenommen. Der gesamte Mix entstand auf digitaler Ebene, der Behringer-Mixer 2442 wurde für die eigentliche Recordingtätigkeit praktisch nicht mehr gebraucht. Sämtliche Spuren wurden entweder direkt über die Hammerfall ins Cubase eingespielt oder (bei den Hardware-Synths) zunächst als Midifile aufgenommen und dann für den Mix zu einer Wave-Datei Re-Recorded. So wurde der Endmix nur mit reinen Wavedateien vorgenommen, die Midi-Dateien waren zu diesem Zeitpunkt schon stummgeschaltet. 

Bemerkungen zu den Songs im Einzelnen: 

"Innocence": Hier hat Ingo Heikos Thema von "Believe" aufgegriffen und ein Intro daraus gemacht. Neben den Effekt- und Synthspuren wurde das Picking mit der 12-saitigen Danelectro eingespielt, die verzerrten Riffs stammen von "Believe". Die Bratsche hat Thorsten Lawrenz, der dieses Instrument früher mal erlernt hat, über das Studiomikro eingespielt.

"Believe": Der Song ist eine Komposition von Heiko Wersing. Er hat auch fast alle Gitarren und Synths eingespielt und arrangiert. Thorsten hat zwei zusätzliche Gitarrenspuren beigesteuert / ersetzt, Ingo hat neben dem Gesang am Endmix mitgewirkt.

"Falling": Die Gitarren wurden von Ingo und Thorsten eingespielt, die Synth-Sequenz am Anfang ist ein Sound des Plug-Ins Pro52 von NI, es ist aber kein Arpeggiator im Einsatz, sondern die Sequenz hat Ingo direkt über das Keyboard eingespielt. Das Gitarren-Solo teilt sich auf in einen eher simplen "wavigen" Teil (von Ingo) und einen eher Rock-Metal-Teil (von Thorsten).

"House Of Mind": Ein uralter Song von The Escape, er war auf dem "Marionettes"-Tape. Über acht Gitarrenspuren, insgesamt fast 36 Spuren im Mix haben die Rechenpower des PC´s an den Rand der Dekompensation gebracht. Aber es ging gut! Ingo hat beide Gesangsstimmen, tief und hoch, selbst eingesungen. 

"Stranded": Diesen Song hat Ingo zunächst nur in einer reinen Piano-Version eingespielt, die weiteren Instrumente wurden nach und nach im Arrangement hinzugefügt. das Piano ist daher auch das einzige komplett durchgehende Instrument in dem Song.

"The End Of Days": Sämtliche Synths stammen aus Plug-Ins wie JX16, Pro52 und Halion. Das Gitarrenriff umfasst allein 4 Spuren, die Gesangsstrophe wurde mit einem Verzerrer bearbeitet, im Refrain wurde der Gesang oktaviert eingesungen. Der Flanger-Part wurde erst kurz vor dem Mastering noch eingesetzt, gespielt von Thorsten über POD XT.

"Flames": Wieder ein alter Song (vom ersten Demo-Tape) im neuen Gewand. Die ursprüngliche Synthie-Ballade mutierte zu einer Goth-Rock Hymne. Die Akustik-Gitarre, gespielt von Thorsten, wurde erst sehr spät in den Song integriert, ebenso wurde der ursprüngliche Synth-Bass durch einen echten Bass ersetzt. 

"My Sister Devil Angel": Die Musik zu diesem Song hat Ingo fast im Alleingang aufgenommen, der Rest der Band beteiligte sich an Arrangement und Mix. Basis sind zwei Spuren mit Akustik-Gitarre, die z.T. gleiche Akkorde in unterschiedlichen Griffbildern intonieren. Das Synth-Thema stammt vom CS1x.

"Coming Home": Ein Song, komponiert von Thorsten Lawrenz. Er spielte das Thema und den Großteil der Gitarren ein, der Rest der Band vervollständigte Arrangement und Mix. Es war einer der ersten Songs für das neue Album, mit denen begonnen wurde und es war der letzte, der fertig wurde.

"I Will Follow": Reichlich Gitarrenspuren mit unterschiedlichsten Effekten und Verzerrungsgraden wechseln sich hier ab. Die Gesangseinstellungen für Strophe und Refrain sind hier völlig unterschiedlich in Equalizing und Effektauswahl. Den Hintergrundchor der Strophe stellt der CS1x, andere Sounds sind vom Alesis QS8.1.

"Nell": Nach Aussage von Ingo der arbeitsintensivste und ausgefeilteste Song des Albums. Die Grundgitarre am Anfang ist eine Les Paul, sie wird durch die 12-saitige Danelectro ergänzt. Die Bassgitarre ist, wie bei fast allen anderen Songs auch, ein "echter" E-Bass, die verschiedenen Themen werden zwischen Bass und der 12-Saitigen hin- und hergereicht. Dazwischen Samples des alten Spielfilms "The Haunting". Das langgezogene Gitarrensolo ist eine Sustain-Meisterleistung von Thorsten Lawrenz.

"Believe" Remix:   Heiko hat, als er der Band seinen neuen Song vorgestellt hat, diesen gleich in zwei Versionen abgeliefert. Die Band entschied sich, beide Versionen zu veröffentlichen. Bis auf geringe Änderungen im Arrangement und Ingos Gesang ist dieser Remix allein Heikos Arbeit.

An dieser Stelle auch vielen Dank an Tina Arensmann von der Band "Chord Of Souls", die die Texte zu "Stranded" und "My Sister Devil Angel" beigesteuert hat.  

 

 

Derzeitige Ausstattung des Annuvin-Studios:

(Zeitpunkt Produktion "House Of Mind")

Keyboards: Yamaha CS1x
Alesis QS8.1
Expander: Roland JV 880
Kawai K4R
Korg 01R/W
Alesis S4 Quadrasynth
Sampler: Korg DSM 1
Drumexpander:  Yamaha RM 50
Effektgeräte: Alesis Quadraverb
Behringer Virtualizer
Zoom Studio 1204
Gitarreneffekte: Behringer V-Amp2
Line 6 POD II  (später POD XT)
Hughes & Kettner Tubeman
Zoom 4040
Roland GP 16
Marshall MS2 (nur ein Scherz...)
Behringer V-Tone GMX 110
Signalprozessoren: Behringer Composer
Behringer Ultrafex Pro
Behringer Ultravoice VX2496
dbx Project 1 Model 286
Yamaha Q2031A Equalizer
ETEK Exciter
Mixer: Behringer MX 2442 Eurodesk
Roland M240
Fostex model 2016 (2x)
MAM SLM 82
Samson PL 2404
Behringer RX 1602 (2x)
Digital Recording: Cubase VST/32  V.5.1r1 (mit div. Plug-Ins)
Wavelab 4.0
Samplitude 2496
Native Instruments Battery
NI Pro 52
Propellerhead ReBirth 2.01
2 x Behringer Ultragain Pro8 Digital
Fostex VR 800
EMU Darwin
ALESIS HD24 mit 2x 40GB Harddisk
Behringer Ultramatch
Pioneer D05 DAT-Recorder
Mikrofone: AKG C3000
2 x Shure SM58
Monitore:  Paar Alesis Monitor Two
Behringer PA mit 2 x 600W
Computer: Athlon XP2000
Athlon XP2000
RME DIGI9652 Hammerfall
3 x 19 Zoll Monitore

 

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